Ein paar Worte zur Kaninchenimpfung

 

Gegen welche Krankheiten können Kaninchen geimpft werden?

 

- Kaninchenpest (Myxomatose)

 

Erreger: Leporipoxvirus myxomatosis (Pockenvirus)

 

Übertragung: Durch direkten Kontakt zu kranken Tieren oder indirekt durch Stechmücken, den Kaninchenfloh, Milben und andere Insekten oder kontaminiertes Futter bzw. andere Gegenstände.

 

Symptome: Gerötete, weiche Schwellungen (Myxome) an Augenlidern, Lippen, der Nase, den Genitalien usw., Augenausfluss, Atembeschwerden, Abmagerung, Nahrungsverweigerung, Schluckbeschwerden, schlechter Allgemeinzustand und schließlich der Tod. Desweiteren sind versch. mildere Verlaufsformen bekannt mit weniger auffälligen Symptomen wie Unfruchtbarkeit, Flecken etc.

 

Therapie: Sehr schlechte Prognose, daher wird von einer Behandlung abgeraten. Bei sehr milden Verlaufsformen kann eine Behandlung versucht werden, überlebende Tiere sollten allerdings nur mit anderen „Überlebenden" vergesellschaftet werden (ansonsten besteht Ansteckungsgefahr)!   

 

Zugelassene Impfstoffe in Deutschland (Lebendimpfstoffe): CUNIVAK JET, CUNIVAK MYXO, Lapimed Myxo id, Riemser Myxomatose-Vakzine, Lapimed RHD, RIKA-VACC Myxo dn, RIKA-VACC Myxo jet, RIKA-VACC Myxo

Zugelassene Doppelimpfstoffe (Kombi mit RHD): CUNIVAK COMBO, Dercunimix, RIKA - VACC Duo [Paul Ehrlich Institut, 2005]


Hinweis: Die Schutzimpfungen bieten keinen Schutz vor Myxomatose (wie oft fälschlich angenommen!) sondern mildern im Falle einer Infizierung laut Impfstoffherstellern lediglich den Krankheitsverlauf ab. Egal ob geimpft oder ungeimpft erkranken Kaninchen an der Myxomatose bei Kontakt mit dieser. Geimpfte Kaninchen haben im Schnitt allerdings einen milderen Krankheitsverlauf und somit bei entsprechender Behandlung eine größere Überlebenschance. Einige Menschen fordern, Kaninchen die an Myxomatose erkranken grundsätzlich einzuschläfern, da es sich um eine schwere Erkrankung handelt und auch bei milderen Verlauf und guter Behandlung das Tier gequält wird, allerdings gibt es auch in seltenen Fällen extrem milde Verläufe die das Kaninchen bei entsprechender Therapie gut übersteht und nicht quält. Entscheidet man sich für die Einschläferung wenn ein Tier Myxomatose bekommt, wäre die Impfung nutzelich, nur wenn man in diesem Fall kämpfen möchte ist sie sinvoll, da der Krankheitsverlauf dann milder sein kann (= höheres Überlebensrisiko).

 

Im Internet gibt es einen Erfahrungsbericht eines geimpften Kaninchens, deren Besitzer den Kampf mit der Myxomatose aufnahmen und ihn leider verloren. Und einen von zwei Kaninchen mit milder Verlaufsform, die überlebten. Solche Berichte sind sehr selten, Züchterkreise raten bei jedem Myxomatose-Ausbruch zur Einschläferung. Myxomatose-Überlebende (auch geimpfte Tiere) sind leider immer noch wirkliche Einzelfälle. In den meisten Fällen werden die Kaninchen aufgrund der Ansteckungsgefahr, der Qualen und dem schlechten Allgemeinzustand eingeschläfert. Daher stellt sich die Frage nach dem Nutzen der Impfung und muss wohl von jedem Halter eigenverantwortlich abgewogen werden.

 

- Chinaseuche (RHD; Rabbit Haemorrhagic Disease)

 

Erreger: Calici-Virus

 

Übertragung: Durch direkten Kontakt zu kranken Tieren oder indirekt durch Stechmücken, den Kaninchenfloh, Milben und andere Insekten oder kontaminiertes Futter bzw. andere Gegenstände.

 

Symptome: plötzlicher Tod, Tiere werden oft mit überstreckten Kopf (in den Nacken geworfen) und blutiger Nase vorgefunden. Seuchenhaftes Massensterben. Organschäden, innere Blutungen, Atemnot, Erstickungsanfälle

   

Therapie: Nicht möglich, zu schneller Krankheitsverlauf. Wenige Überlebende.

 

Zugelassene Impfstoffe in Deutschland (Totimpfstoffe): CASTOREX, CUNIVAK RHD, Lapimed RHD, RIKA - VACC RHD

Zugelassene Doppelimpfstoffe (Kombi mit Myxomatose): CUNIVAK COMBO, Dercunimix, RIKA - VACC Duo [Paul Ehrlich Institut, 2005]

 

Hinweis: Zur Herstellung der Impfstoffe werden gesunde Kaninchen künstlich infiziert und anschließend der Impfstoff aus der Leber gewonnen. Aus Tierschutzsicht ist dies sehr kritisch zu beurteilen. Letztendlich quält und tötet man andere Kaninchen um die eigenen zu schützen was dazu führt, dass man das Leben des eigenen Kaninchens über das von anderen Kaninchen stellt. Der Impfstoff verfügt aber über eine sehr gute Wirksamkeit und wenige Nebenwirkungen. Er ist der zurzeit am besten ausgereifte Impfstoff unter allen Kaninchen-Impfstoffen. Auch hier ist die Impfung also Abwägungssache und von der Einstellung des Halters abhängig.

 

 

- „Kaninchenschnupfen" (Pasteurella multocida und Bordetella bronchiseptica)

 

Erreger: Pasteurella multocida und Bordetella bronchiseptica (und zahlreiche weitere Erreger gegen die (noch) kein Impfstoff existiert), evtl. auch Viren etc. [Zinke 2004].

 

Übertragung: Direkte Ansteckung bei infizierten Tieren (Nasenausfluss), bei anderen Tieren (z.B. Vögel) oder an infizierten Gegenständen.

 

Symptome: Mit den Erregern sind latent (versteckt) der Großteil der Kaninchen (bis zu 90%) infiziert, ohne Symptome zu zeigen. Wird das Immunsystem geschwächt, so können Symptome ausbrechen: Niesen, weißer Nasenausfluss, Augenentzündungen und/oder –ausfluss, Entzündungen innerer Organe (Gebärmutter, Lunge, Ohren, Brustfell, Herz…). Schlechter Allgemeinzustand bis hin zum Tod (bei ausbleibender Behandlung).

 

Therapie: Gute Therapiemöglichkeiten, Antibiose oft erfolgreich (wenn keine Resistenzen gegen das Antibiotikum bestehen). Immunsystem unterstützen, Hygiene. 

 

Zugelassene Impfstoffe in Deutschland (Totimpfstoff): CUNIVAK PAST [Paul Ehrlich Institut, 2005]

 

Hinweis: Der Impfstoff schützt nicht gegen die Erreger oder das einzelne Individuum sondern soll laut Hersteller lediglich den Infektionsdruck in großen Beständen senken, daher wird die Impfung nur für Massenhaltungen empfohlen. Die Wirksamkeit ist umstritten, viele Züchter und Halter lehnen den Impfstoff ab, da er nur gegen zwei von vielen Erregern hilft und es sehr oft nach der Impfung zum Ausbruch des Schnupfens kommt. Die Wirksamkeit des Impfstoffes (wenn er überhaupt wirkt) ist stark umstritten. Manche Halter oder Tierärzte setzen ihn bei „trockenen" Schnupfern ein, das Ergebnis ist sehr unterschiedlich, bei einigen bricht dadurch der Schnupfen wieder extrem aus, bei anderen bleibt er zukünftig fern.

 

Bieten Impfungen einen Schutz vor Krankheiten?

 

„Die in diesem Zusammenhang unter Kaninchenzüchtern und Kaninchenhaltern anzutreffende Meinung, dass nach einer Impfung gegen eine bestimmte Krankheit ein 100-prozentiger Schutz gegeben sein muss, geht leider an der Wirklichkeit vorbei. Eine „Vollkasko-Garantie" kann auch durch den besten Impfstoff nicht gewährleistet werden." [Holubek, 2004]

 

Wird eine Impfung optimal ausgeführt, bietet sie auch nur bei 95% der Tiere eine ausreichende Immunität gegen die Krankheit. Da aber leider immer noch in vielen Fällen „falsch" geimpft wird, kann man davon ausgehen, dass nur etwa 70% der Tiere anschließend zeitweise immun sind. Bei ungünstiger Vorgehensweise sind die Zahlen noch schlechter. Hier besteht leider nur bei ungefähr der Hälfte aller Tiere ein geeigneter Krankheitsschutz.

 

Wie funktioniert das Prinzip „impfen"?

 

Es gibt zwei verschiedene Formen der Impfung:

- Die aktive Impfung (Lebendimpfstoffe, Totimpfstoffe)

Die aktiven Impfstoffe sind Lebendimpfstoffe, d.h. es werden Krankheitserreger so behandelt, dass sie abgeschwächt oder getötet werden. Dadurch ist es möglich ein Tier oder einen Menschen mit der Krankheit zu infizieren und das Immunsystem kann durch die geschwächte Form den Erreger bekämpfen und Antikörper bilden (Impf-Titer).

- Die passive Impfung (Impfserum)

Hier wird nicht der Krankheitserreger gespritzt, sondern bereits die Antikörper gegen die Erkrankung. Beim Kaninchen ist kein Impfstoff mit diesem Wirkprinzip in Deutschland zugelassen.

 

Wenn Viren mutieren

 

Viren haben von Natur aus die Eigenschaft zu mutieren. Innerhalb von wenig Zeit ändern sie sich so, dass wieder ein ganz neues Antigen eingesetzt und der Krankheitserreger erneut herausgefunden werden muss. Diese wissenschaftliche Arbeit braucht Zeit und oftmals ist nach dieser Zeit (wenn endlich ein neuer Impfstoff entwickelt wurde) das Virus erneut mutiert und die Arbeit fängt wieder von vorne an.

Würden die Pharmakonzerne nun hergehen und sagen: „der entwickelte Impfstoff ist schon wieder veraltet, wir bringen ihn gar nicht erst auf den Markt", so könnten sie die Forschungen nicht mehr finanzieren. Deshalb werden meistens (gerade bei den Tierimpfstoffen) stark veraltete Impfmittel eingesetzt, die nicht mehr ihren Zweck erfüllen und somit nur Schaden, aber keinen Nutzen bringen…

 

Wie lange hält der Impfschutz an?

 

„Zunehmend müssen wir uns auch der Diskussionen stellen, ob von den vorgegebenen, meist jährlichen Impfintervallen, angesichts der heutigen Qualität der Impfstoffe abgewichen werden kann. Gesichertes Wissen zur Dauer der Immunität jenseits der Jahresgrenze, zumindest für die wichtigsten Impfkomponenten, wäre dringend notwendig." [Hoffmann, 2003]

 

Die Impfmittelhersteller geben bei RHD einvernehmlich auf den Packungsbeilagen eine Mindestschutzdauer von 12 oder mehr Monaten an (in der Packungsbeilage nachlesen, je nach Hersteller leichte Differenzen!). Diese Mindestschutzdauer ist sehr eng bemessen, die Internationale Tierseuchenbehörde geht von einer Mindestschutzdauer von 16 Monaten aus. Sicher ist somit, dass die Impfstoffe mindestens 12 oder 16 Monate Immunität vor RHD bieten, ob der Schutz lebenslang oder zumindest länger als diese Empfehlungen anhält, ist noch nicht einwandfrei belegt, dazu fehlen aussagekräftige Studien.

 

Bei Myxomatose-Impfstoffen sind sehr starke Differenzen zwischen den einzelnen Impfstoffherstellern zu erkennen. Daher ist es unumgänglich den Beipackzettel zu lesen um die Mindestschutzdauer ausfindig zu machen. Der Hersteller „Riemser" (gängiger Impfstoff) empfiehlt beispielsweise eine Nachimpfung der Zuchttiere je nach Seuchenbelastung nach 6-9 Monaten (geringer Infektionsdruck) bzw. 4-5 Monaten (hoher Infektionsdruck). Andere Hersteller geben andere Abstände vor.

 

Da es nur einen Schnupfenimpfstoff gibt, ist hier glücklicherweise nicht so ein gewaltiges Chaos wie bei den anderen Krankheiten anzutreffen. Der Hersteller des Schnupfenimpfstoffes empfiehlt für Zuchten mindestens die halbjährliche Auffrischung. In befallenen Beständen wird ein kürzerer Abstand und die Impfung der trächtigen Häsinnen im ersten Drittel der Trächtigkeit nahe gelegt. Studien zur Schutzdauer fehlen bisher.   

 

Die  Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission (Bundesverband praktizierender Tierärzte) gibt eine allgemeine Impfempfehlung für die Abstände der Myxomatose-, RHD- und Schnupfenimpfung vor:

 

Alle 6 Monate: Myxomatose (in Endemiegebieten u. U. alle 4 Monate) und in Kaninchenzuchten (nicht bei reiner Hobby-
 Haltung)
Pasteurella und Bordetella (bei intensiv zur Zucht genutzten Häsinnen mindestens vor jeder 2. Trächtigkeit)

 Alle 12 Monate: RHD (Häsinnen in intensiver Zuchtnutzung sollten in kürzeren Intervallen - alle 6 Monate - geimpft 
 werden.) „

 

Mangels Studien werden diese sehr engen Impfabstände von den meisten Tierärzten und Haltern praktiziert, ganz nach dem Motto „viel hilft viel" oder „lieber zu viel als zu wenig". Ich gebe dabei allerdings zu bedenken, dass zu häufige Impfungen genauso schädlich sein können wie zu seltene Impfungen. Man bedenke, dass die Impfstoffe auch viele stark giftige Zusatzstoffe enthalten die z.B. die Leber belasten. Bei vielen anderen Haustieren (Hunde und Katzen) wurden mittlerweile nach jahrelangem „Jahres-Impfen" doch noch Studien durchgeführt und festgestellt, dass der Impfstoff weit über das eine Jahr hinaus und die Lebendimpfstoffe sogar lebenslang anhalten. Dr. Ronald D. Schultz, einer der führenden Veterinär Immunologen weist darauf hin, dass jährliche Tier-Impfungen nicht nur völlig unnötig sind, sondern dass diese Praxis signifikante Gesundheitsprobleme auslöst.  

 

Zusatzstoffe

 

Um die Impfstoffe haltbar zu machen oder anderweitig „anzupassen" enthalten sie viele Zusatzstoffe. Diese Zusatzstoffe sind seit langer Zeit sehr umstritten. Beispielsweise enthalten der Kaninchen-Schnupfen-Impfstoff und auch der Impfstoff gegen RHD Aluminiumadjuvantien um bei der Impfung die Immunantwort zu verstärken. Dieser Zusatzstoff fördert nicht nur die Entstehung von Impfsarkomen: 2007 stellte man bei einer Studie fest, dass er sich bei Mäusen negativ auf Nervenzellen auswirkt.

„Die Forscher waren so erschrocken über ihr Ergebnis (absterbende Hirnzellen), dass sie sich selber nicht mehr impfen wollten (M. Petrik et al.). Die Aluminiumhydroxid-Mäuse wiesen gesteigerte Ängstlichkeit auf, Gedächtnisstörungen und Allergieneigung." [Peichel 2009]

Ein weiterer Zusatzstoff sind z.B. Öladjuvantien. Im RHD-Impfstoff werden diese als Verstärker eingesetzt. Öladjuvantien lösen bei Mäusen und Ratten recht zuverlässig Arthritis aus, dies machen sich die Forscher zu Nutze indem sie Labor-Nager, die der Arthritis-Forschung dienen, mittels Öladjuvantien künstlich erkranken lassen um an ihnen zu forschen. In Menschen-Impfstoffen sind Öladjuvantien übrigens verboten, da sie zu gefährlich und gesundheitsschädlich sind. Auf dem RHD-Impfstoff-Beipackzettel wird vor den Öladjuvantien gewarnt, falls sich ein Mensch aus versehen den Kaninchen-Impfstoff injizieren sollte.

 

Grundimmunisierung

 

Eine typische "Forenregel" ist die Grundimmunisierung von Kaninchen. Wie oft habe ich schon gelesen, dass Leuten klar gemacht wurde, dass Kaninchen die nicht grundimmunisiert wurden, keinen Impfschutz hätten. Die Leute wechseln erfahrungsgemäß daraufhin entsetzt den "falsch beratenden" Tierarzt. Schließlich haben sie ja jetzt "ganz umsonst geimpft". 

Die Grundimmunisierung kommt von Katze und Hund, wo sie wirklich nötig ist. Die meisten Tierärzte übertragen dieses Impfschema auf´s Kaninchen und fordern dort auch die Grundimmunisierung.

Aber ist die Grundimmunisierung überhaupt beim Kaninchen nötig? Nein, nicht grundsätzlich. Die Impfstoffe werden eigentlich nach Packungsbeilage angewendet. Die Packungsbeilage der Kaninchenimpfstoffe schreibt keine zwingende Grundimmunisierung vor, bei manchen (nicht allen!) Impfstoffen wird in Seuchengebieten aber eine Grundimmunisierung (2 Impfungen mit geringen Abstand) empfohlen. In Gebieten die nicht zu den absoluten Seuchengebieten zählen wird auch vom Impfstoffhersteller (zumindest bei den meisten Impfstoffen, Packungsbeilage lesen!) eine einmalige Impfung für völlig ausreichend erachtet.

Die Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission Vet. für Kaninchen impfiehlt die Grundimmunisierung nur bei Kaninchenbabys mit 4-6 Wochen. Erhalten Kaninchen erst später ihre erste Impfung so hält die Kommission eine einmalige Impfung für ausreichend.

Fazit: Man kann, muss aber nicht grundimmunisieren. Impfstoffe sollten grundsätzlich nach Packungsbeilage angewendet werden. Bei manchen Impfstoffen wird in der Packungsbeilage empfohlen, in Seuchengebieten die Kaninchen zu grundimmunisieren, dies sollte beachtet und umgesetzt werden. 

 

Leben meine Kaninchen in einem Seuchengebiet? Bitte den örtlichen Tierarzt befragen (sie bekommen im Seuchenfall vermehrt Fälle), evtl. Züchter kontaktieren und diese Seuchenkarte einsehen: Seuchenkarte von Impfstoff-Hersteller IDT Biologika GmbHSeuchenkarte von bunny-in

 

Impffolgen – Unerwünschte Wirkungen der Impfstoffe

 

„Unerwünschte Arzneimittelwirkungen lassen sich trotz intensiver Labor- und klinischer Prüfungen im  Zulassungsverfahren nicht immer ausschließen. Bei selten auftretenden Reaktionen kann erst der Einsatz unter Feldbedingungen das Risikopotential eines Impfstoffes offenbaren." [Hoffmann, 2003]

 

Gerade Kaninchenimpfstoffe haben vielfältige „Nebenwirkungen" und gelten als schlecht ausgereift. Solche Nebenwirkungen zu kennen ist wichtig um sich bei Impffragen richtig zu entscheiden (z.B. bezüglich der Abstände) und Folgen abschätzen zu können.

 

Einen sehr wichtigen Anhaltspunkt bieten die Statistiken des Paul-Ehrlich-Institutes, das jährlich alle gemeldeten Fälle auswertet. Deshalb ist es sehr wichtig entsprechende Impffolgen ordnungsgemäß zu melden (sofern sie nicht schon in der Packungsbeilage angegeben sind)! Dies ist leider bisher kaum bekannt und wird nur selten praktiziert. Von 2003 bis 2007 haben sich die eingegangenen Meldungen bezüglich Kaninchenimpfstoffe fast verneuntfacht. Im Jahr 2006 gingen Meldungen zu 643 Kaninchen ein, 139 dieser Kaninchen waren als Impffolge verstorben, der Rest kam mit einem Impfschaden davon und überlebte die Impfung.

 

Allgemein unterteilt man Impfzwischenfälle in Impfdurchbrüche, Impfschäden und Impferkrankungen. [Holubek, 2004]

 

Von Impfdurchbrüchen spricht man wenn geimpfte Kaninchen an der geimpften Krankheit erkranken weil ihr Immunsystem zu schwach war um gegen den Impfstoff anzukämpfen (dieser „Kampf" ist nötig um Impfschutz aufzubauen).

Um Impfdurchbrüche zu verhindern ist es von großer Bedeutung nur impfwürdige Kaninchen zu impfen!

Durch Impfdurchbrüche besonders gefährdet sind:

- Tiere in der Inkubationszeit einer Infektionskrankheit (durch Untersuchung nicht feststellbar)

- Kranke Tiere (chronisch oder akut)

- Tiere die Stresssituationen ausgesetzt sind

- Tiere mit geschwächten Immunsystem (Anzeichen: Parasitenbefall usw.)

- Tiere nach Operationen

- Tiere in Außenhaltung bei Minustemperaturen oder anstrengender Witterung

- Tiere während der Genesung (kurz nach einer Erkrankung)

- Tiere die zuvor mit Cortison behandelt wurden

- Alte Tiere

- Tiere mit Immunerkrankungen

- Und viele andere…

Bei solchen Kaninchen muss von einer Impfung Abstand genommen werden um Impfdurchbrüche zu vermeiden!

 

Unter Impfschäden werden alle negativen Impfreaktionen zusammengefasst. Dies können harmlose „Erkrankungen" sein wie etwa Haarveränderungen oder Haarverlust nach der Impfung mit CUNIVAC JET. Harmlosere Impfschäden sind oftmals auch als „Nebenwirkungen" auf den Beipackzetteln der Impfstoffe vermerkt. Auch eine Temperaturerhöhung (Fieber) nach der Impfung und eine damit einhergehende Appetitverminderung zählen zu den Impffolgen. Diese ist normal und zeigt lediglich, dass der Körper gegen den Impfstoff ankämpft und somit den Impftiter ausbildet, was Voraussetzung für einen Impfschutz ist. Schlimmer sind Impfschäden die bleibende Schäden oder den Tod verursachen bzw. eine Behandlung erfordern. Sind diese noch nicht auf der Packungsbeilage vermerkt, sollten sie umgehend dem Paul-Ehrlich-Institut gemeldet werden.

 

Impfschäden können besonders bei empfindlichen Tieren oder durch die unsachgemäße Handhabung der Impfstoffe entstehen.

 

Nebenwirkungen von Myxomatose-Impfstoffen

- Schwächung des Immunsystems (Kann zu erhöhten Krankheitsrisiko führen)

- Impfknoten an der Einstichstelle

- Impfmyxomatose (teilweise tödlich wenn die Kaninchen z.B. durch (latente) Pasteurellen oder Kokzidien geschwächt waren)

- Ausbruch von Pasteurellen nach Myxomatose-Impfung bei latenten Vorhandensein

- Mangelnde Wirksamkeit

- Ungeklärte Todesfälle

 

Nebenwirkungen von RHD-Impfstoffen

- Impfknoten an der Impfstelle

- Hauterkrankungen, Haarausfall an der Einstichstelle, Schwellungen, Geschwüre

- Ungeklärte Todesfälle

 

Nebenwirkungen vom Schnupfen-Impfstoff

- Impfknoten an der Einstichstelle

- Ausbruch von Pasteurella multocida und/oder Bordetella bronchiseptica (Schnupfen-Symptome) bei zuvor augenscheinlich gesunden Kaninchen
- Hirnschäden

- Wirksamkeit fragwürdig
- Überreaktion des Immunsystems, Schwächung der Immunabwehr (erhöhtes Krankheitsrisiko)

- Allergien, Allergischer Schock

 

Impferkrankungen sind alle Erkrankungen die durch eine falsche Impfstoffzusammensetzung (z.B. nicht abgetötete oder zu wenig abgeschwächte Erreger oder toxische bzw. anderweitig ungeeignete Inhaltsstoffe) ausgelöst werden.

 

Bei keiner anderen Tierart außer dem Kaninchen werden so viele Todesfälle als Impffolge gemeldet. Und bei keiner anderen Tierart gehen so gehäuft Meldungen zur Unwirksamkeit der Impfstoffe ein. Deshalb ist es auch verständlich, dass in der Schweiz die Kaninchenzüchter durchsetzten, dass die Myxomatose-Impfung verboten wurde. Eine Überarbeitung der Impfstoffe und weitere Studien zur Wirksamkeit, den Impfabständen und Nebenwirkungen sind dringend nötig.

 

Trotz der jährlich auffällig hohen Rate an eingehenden Meldungen zu Todesfällen nach der Impfung wurden bisher keine weiteren Studien durchgeführt. In den offiziellen Berichten wird lediglich der Mängel erwähnt:

 

 „Leider gibt es beim Kaninchen häufiger Meldungen über „plötzliches Verenden am Folgetage", die aufgrund unzureichender Angaben nicht näher zu beurteilen sind." [Hoffmann, 2006]

 

„Neben weiteren eher allergoiden Reaktionen wurden auch schwer abzuklärende Fälle wie „plötzliches Verenden nach Impfung" gemeldet" [Hoffmann, 2003]

 

 

Vorbeugen!

Mit einfachen Mitteln lassen sich viele Impffolgen vorbeugen. Es sollten nur absolut gesunde Kaninchen geimpft werden. Daher sind eine gründliche Allgemeinuntersuchung (Fellzustand, Parasiten, Temperatur, Augen, Zähne, Verhalten…) und eine Kotprobe vor jeder Impfung nötig. Die meisten Unwirksamkeits-Fälle nach Impfungen wurden in Studien im Nachhinein mit einer Fehl-Besiedlung der Darmflora (Kokzidien, E. coli etc.) oder einer latenten Erkrankung in Verbindung gebracht [Bauer/Selbitz, 1998].

Um das Immunsystem zu entlasten empfiehlt es sich zumindest bei der Erstimpfung die einzelnen Krankheiten versetzt zu impfen und das Immunsystem nicht mit allen Erregern auf einmal zu konfrontieren.

 

Achtung! Impfstoffe dürfen nur dann kombiniert werden, wenn die Kombination auf dem Beipackzettel zugelassen ist. Myxomatose und Schnupfen dürfen beispielsweise niemals gleichzeitig geimpft werden!  

 


Abschließende Worte

 

Die Kaninchenimpfstoffe sind alles andere als ausgereift, es fehlen Studien die ihre Schutzdauer untersuchen. Der Schnupfen-Impfstoff bewirkt bei so vielen Kaninchen einen Krankheitsausbruch, so das von diesem Impfstoff in den meisten Fällen abzuraten ist und der Myxomatose-Impfstoff „mildert" nur den Krankheitsverlauf, beugt aber nicht der Myxomatose-Erkrankung vor. Das heißt, die Kaninchen haben wahrscheinlich bei Kontakt mit Myxomatose eine größere Überlebenschance bzw. einen leichteren Krankheitsverlauf als ungeimpfte Kaninchen. Der RHD ist immer noch am besten und wirksamsten, enthält aber auch sehr kritische Zusatzstoffe. Es sollten nur gesunde Kaninchen mit viel Achtsamkeit geimpft werden.

Ich hoffe, ich konnte ein bisschen in das umfangreiche Thema „Impfung bei Kaninchen" einführen. Leider gibt es heute zwei Fronten, die „Impfgegner" und die „Impfbeführworter". Ich denke, man sollte sich informieren und dann die Vor- und Nachteile abwägen, so dass für das Tier großmöglichster Nutzen und kleinmöglichster Schaden entsteht.

 
Dies ist eine Unterseite von www.kaninchenwiese.de
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Quellen:

 

Behr/Panek.: Impfgegner fordern tierärztliche Impferklärung. Kleintierpraxis

 

Bundesverband praktizierender Tierärzte: Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission Vet. für Kaninchen

 

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Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft:  Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere, Jahresbericht 2002

 

Ewringmann, A.: Leitsymptome beim Kaninchen. Diagnostischer Leitfaden und Therapie. Enke Verlag, Stuttgart, 2005

 

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Gortázar, C./Höfle, U.: Das Wildkaninchen in Spanien. Bestandsaufnahme und Analyse der durchgeführten Maßnahmen 15 Jahre nach dem Auftreten

der Hämorrhagischen Kaninchenseuche (RHD). LÖBF Mitteilungen, 2004

 

Grätz, J-F.: Impfungen bei Tieren – Schaden  statt Nutzen

 

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Hoffmann, A.: Pharmakovigilanzreport Tierimpfstoffe Zur Statistik der im Jahr 2006 im Paul-Ehrlich-Institut eingegangenen Meldungen, 2006

 

Hoffmann, A.: Pharmakovigilanzreport Tierimpfstoffe Zur Statistik der im Jahr 2007 im Paul-Ehrlich-Institut eingegangenen Meldungen, 2007

 

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Holubek, R.: Immunprophylaxe  beim Kaninchen

 

Holubek, R.: Kaninchenschnupfen. Typische Keimträgerseuche

 

Holubek, R.: RHD - Myxomatose - Schnupfen. Sicherer Rundumschutz durch regelmäßige Impfungen

 

Holubek, R.: Schutzimpfungen für gesunde Kaninchen

 

Holubek, R.: Umfang von Schutzimpfungen beim Kaninchen

 

Holubek, R.: Wann ist ein Kaninchenbestand impfwürdig? Kaninchenzeitung, 2004

 

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Wegener, H.: Impf-Friedhof

 

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