Freilaufende Kaninchen im Garten

Neben der Gehegehaltung von Zwergkaninchen, erfreut sich auch die freie Haltungsform wachsender Beliebtheit unter Kaninchenhaltern.

Freie Haltung schafft Lebensqualität!
Wie die Haltung von "Freigänger-Katzen", ist auch die Freilauf-Haltung von Kaninchen eine deutlich artgerechte Haltungsform als die Gehege- oder Wohungshaltung und ermöglicht den Kaninchen erst, ihr gesamtes Verhalten auszuleben. Wer seine Kaninchen einmal freilaufend erleben durfte, wird verstehen, warum immer mehr Halter sich für diese Haltungsform entscheiden, bei der die Kaninchen nur nachts in einer Voliere, im Haus oder einem Schuppen/Gartenhäuschen leben und tagsüber den Garten oder ein eingezäuntes Stück Wiese erkunden dürfen. Im Garten freilaufende Kaninchen sind etwas ganz besonderes.

Welche Kaninchen sind für diese Haltungsform geeignet?
In Freilandhaltung sollten grundsätzlich nur erwachsene, gesunde und aktive Kaninchen gehalten werden. Für die Freilaufhaltung müssen die weiblichen Kaninchen kastriert werden sofern Wildkaninchen in der Nähe leben oder andere unkastrierte Rammler im Umkreis freilaufen. Wenn die freilaufenden Kaninchen auch nachts viel Platz haben, ist es möglich einen unkastrierten Rammler zu den kastrierten Weibchen zu halten. Sollen mehrere Rammler in der Gruppe leben, müssen diese jedoch auch alle kastriert werden (sonst vertragen sie sich nicht).
Ungeeignet ist die Freilauf-Haltung für behinderte, kranke und altersschwache oder junge Kaninchen. Zudem müssen die Kaninchen domestiziert sein, halbwilde Kaninchen sind für die Freilaufhaltung nicht geeignet, da sie sich abends nicht oder kaum einsperren lassen bzw. man sie im Krankheitsfall auch nicht begutachten und zum Tierarzt bringen kann. Die Kaninchen müssen jedoch nicht zahm sein.

Von Vorteil sind große Kaninchen, wer also die Wahl hat, dem empfehle ich über die Haltung einer größeren Rasse nachzudenken. Kleine Rassen können jedoch auch im Freiland leben.

Freilandhaltung erfordert sehr viel Konsequenz beim Halter
Kaninchen einfach im Garten laufen zu lassen ist noch keine Freilandhaltung! Damit die Kaninchen sicher leben können und nicht verwildern oder verwahrlosen, müssen gerade Freilandkaninchen sehr gut gepflegt werden.
Die Kaninchen müssen zuverlässig abends eingesperrt werden um sie vor Nachträubern zu schützen, d.h. der Halter muss abends vor Ort sein. Evtl. braucht das ein oder andere Kaninchen erst ein wenig Training oder macht sich aus der Einsperrerei einen Spaß, daher kann es auch durchaus Geduld am Abend erfordern. Zudem müssen sie Kaninchen regelmäßig beobachtet und natürlich bei Bedarf tierärztlich behandelt werden. Außerdem muss der Halter auch damit rechnen, dass ein Kaninchen aus krankheits- oder anderen gründen plötzlich nicht mehr Freilauf-geeignet ist und dann entsprechend eine Alternative bieten. Zudem muss der Halter die Fläche auch pflegen und z.B. gegrabene Tunnel rechtzeitig wieder schließen, so dass die Kaninchen abends gut ins Gehege gelotzt werden können und sich nicht in die Freiheit buddeln (wobei das bei großer Fläche kaum vorkommt, bei kleinen Gehegen ist diese Gefahr um 90% höher).

Gestaltung der Freilauffläche
Eine falsch gestaltete Freilauffläche setzt die Kaninchen unnötigen Gefahren aus. Daher ist es wichtig, die Fläche entsprechend einzurichten. Die Kaninchen müssen viele Versteck- und Rückzugsmöglichkeiten vorfinden, tabu sind weite Flächen ohne Unterschlüpfe, so dass das Kaninchen nicht flüchten kann sondern z.B. Räubern aus der Luft ausgeliefert ist.
Absolut wichtig ist, dass man die Freilauffläche sicher umzäunt. Ausreichend ist hierfür ein ganz normaler Gartenzaun oder ein Kaninchen-Elektrozaun von Horizont, der eng genug ist, damit kein Kaninchen durchschlüpfen kann. Er sollte nach unten ein Betonfundament haben oder zumindest bis zum Boden gehen und dort keine Durchschlupf-Möglichkeiten bieten. Ansonsten werden die Kaninchen großen Gefahren ausgesetzt (Autos, Hunde) und können auch nicht ausreichend kontrolliert werden. Zu weitmaschige Zäune können dadurch sicher gemacht werden, dass entlang des Zaunes ein Gitter getackert wird. Zaunlücken müssen gesichert werden. Je nachdem ob die Fläche neben einer Hauptstraße oder nur Wald und Feld liegt, sollte sorgfältiger abgesichert werden. Kaninchen sind wie Katzen ortstreu, sie verirren sich nicht, wandern aber ggf. aus wenn Spannungen in der Gruppe herrschen. Eine Zaunhöhe von 1m oder sogar weniger reicht bei einem großen Garten und einer harmonischen Gruppe aus, weil die Kaninchen kaum das Bedürfnis haben auszubrechen und daher nicht so hohe Sprünge probieren wie Gehegekaninchen. Je kleiner die Freilauffläche ist, desto höher muss der Zaun und desto besser muss die Absicherung nach unten sein.

Wie gewöhne ich meine Kaninchen an das Einsperren am Abend?
Mit Verhaltenstraining, der so genannten Konditionierung. Die Kaninchen sollten zudem erst ihr Nachtquartier kennen lernen und dann im kleinen Radius die Umgebung. Der Radius kann dann erweitert werden, wenn sie das Einsperr-Ritual kennen und das Gehege als Mittelpunkt ihres Reviers, Futterplatz und Rückzug akzeptiert haben.
Wichtig ist hierbei:
- Das Ritual: Geräusch oder Ähnliches, die sie mit der
folgenden Belohnung verknüpfen, so dass sie wissen, dass es
jetzt etwas Gutes im Gehege gibt (pfeifen, schnalzen,
Futterdosengeräusch...)
- Belohnung beim ins Gehege kommen: Saaten,
abwechslungsreiche Wiese etc. damit es sich lohnt rein zu
gehen.
- Die Regelmäßigkeit: Nur wenn sie jeden Tag raus dürfen, gehen sie gerne und problemlos rein
- Feste Zeiten: So gewöhnen sich die Kaninchen daran, kennen den Ablauf und sitzen vielleicht sogar schon zu dieser Zeit
im Gehege.
- Die Kaninchen gehen nur gerne ins Gehege wenn es groß genug und passend eingerichtet ist, so dass sie sich wohl und
nicht "eingesperrt" fühlen. Bei Spannungen in der Gruppe weigern sich manchmal die unterlegenen Kaninchen mit ins
Gehege zu gehen wenn sie dort nicht den anderen ausweichen können.

Das Futtergeräusch um sie ins Bett bzw. ins Gartenhaus zu bringen:



Welches Rest-Risiko ist mit der Freilauf-Haltung verbunden?
Eine Restgefahr besteht natürlich immer, denn es kann doch mal ein nachtaktiver Räuber tagsüber auftauchen oder etwas anderes passieren, aber im Vergleich zu Freilaufkatzen leben freilaufende Kaninchen sehr sehr sicher. Ich habe seit über 15 Jahren freilaufende Kaninchen und kein einziges ist durch solche Gefahren gestorben oder auch nur verletzt worden. Meine freilaufenden Katzen hingegen sind fast alle auf der Straße gestorben (Kater mit 3, Katze mit 15, meine anderen zwei leben noch und sind 2,5 Jahre alt, eine davon wurde jedoch einmal angefahren), derweil ist hier eine 30er-Zone vor der Türe und ansonsten nur Wald und Feld. Ich lasse die Katzen aber trotzdem frei laufen, weil es so viel die Lebensqualität erhöht. Und die Kaninchen natürlich auch, das Rest-Risiko ist extrem gering, aber es ist natürlich vorhanden. 100% sicher ist man nie. Wobei das auch bei der Voliere der Fall ist... Wie viele Kaninchen beim Flüchten gegen das Gitter laufen und sich das Genick brechen oder sich an irgendwelchen Gegenständen verletzen... Ich denke da ist das Risiko genauso hoch. Das ist wie bei uns Menschen mit dem Autofahren... Natürlich kann man nie ausschließen, dass was passiert. Trotzdem fahren wir Auto, weil es die Lebensqualität erhöht. Das Leben ist nie 100% sicher... Kinder können sich auch auf dem Spielplatz verletzen, trotzdem sollen sie dort spielen. Also das Restrisiko bleibt bei Gartenfreilauf natürlich, aber es ist nicht besonders hoch.
Wichtig ist es, die Kaninchen viel zu beobachten und sich gut um sie zu kümmern, sowie die oben genannten Punkte penibel einzuhalten (besonders das Einsperren am Abend!). Auch sollten die umliegenden Katzen gut beobachtet werden (besonders am Anfang der Freilaufhaltung) und die Kaninchen sollten gut ernährt werden, damit sie sicher vor Giftpflanzen sind. Die 12 gefährlichsten Giftpflanzen sollten eingezäunt oder entfernt werden.
->Wie schütze ich meine Kaninchen vor Giftpflanzen?
->Sicherheit und Lebensqualität

Wie kann ich meinen Garten vor Fraßschäden schützen?
Je nachdem wie viele Kaninchen auf einer wie großen Fläche leben und wie viel Wert der Halter auf die Ordnung im Garten legt, kann es zu Fraßschäden kommen. Die Kaninchen müssen bei Gartenfreilauf ad libitum ernährt werden, ansonsten kommt es (besonders bei geschlossener Schneedecke) zu schlimmen Fraßspuren. Wenn hingegen wenige Kaninchen auf großer Fläche leben, die noch dazu gut ernährt werden und denen die Wiese viel Futter bietet, wird man sie kaum merken. Besonders gefährdet sind Rosen und winterharte Gras- und Bambuspflanzen. Solche Pflanzen sollten eingezäunt oder geschützt werden. Eine unauffällige Einzäunung sind fingerdicke Zweige, die um die Pflanze gesteckt werden.
Es gibt einige Pflanzen, die problemlos stehen gelassen werden. Mehr zu "kaninchen-geeigneten Gartenpflanzen" ist hier zu finden: Gartenbepflanzung die nicht gefressen wird























Wer sich an den Gartenfreilauf langsam herantasten möchte kann mit einem verstellbaren Auslauf beginnen: Auslauf-Gehege für Kaninchen

Weitere Informationen zur Freilandhaltung unter www.freilaufkaninchen.de

Eine Studie zur Freilandhaltung die zeigt, dass Jungtiere nicht ins Freiland gehören und die Todesgefahr durch Raubtiere äußerst gering ist.
Zusammenfassung www.kaninchenzeitung.de/?redid=331792
Die Studie www.kaninchen-bande.de/phpBB3/holdt.pdf
Wir sind umgezogen und nun unter www.kaninchenwiese.de zu finden. Sie werden automatisch weitergeleitet.